Die nationale einheitliche Telefonnummer 142 hätte am 1. November 2025 eingeführt werden sollen. Damit wird eine Verpflichtung aus der Instanbul-Konvention umgesetzt. Im Frühling wurde kommuniziert, dass dies aufgrund technischer Schwierigkeiten erst auf Mai 2026 möglich sei. Es ist leider nicht das erste Mal, dass die Einführung verschoben werden musste.
Die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft wollen nicht länger warten, um die Verfügbarkeit der Opferhilfenummer auszuweiten. Sie haben deshalb entschieden, das telefonische Kontakt- und Beratungsangebot der Opferhilfe beider Basel (OHBB) bereits auf den 1. November an 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche erreichbar zu machen.
Ein niederschwelliger Zugang rund um die Uhr
Wir haben die beiden Regierungsrätinnen Stephanie Eymann, Basel-Stadt, und Kathrin Schweizer, Basel-Landschaft, angefragt, welche Bedeutung dem Projekt im Rahmen des Opferschutzes zukommt. Sie haben gemeinsam schriftlich geantwortet: «Mit der telefonischen 24/7-Erreichbarkeit – und ab Mai 2026 mit der nationalen einheitlichen Opferhilfetelefonnummer 142 – können wir gewaltbetroffenen Menschen rund um die Uhr einen niederschwelligen Zugang zu ersten opferrechtlichen Informationen gewährleisten.»
Von diesem Schritt versprechen sich die beiden Regierungsrätinnen konkrete Verbesserungen: «Wir hoffen, dass sich dadurch mehr Opfer von Gewalt trauen, sich zu melden. Dies vor allem im Bereich der häuslichen und sexualisierten Gewalt, wo wir trotz der hohen Fallzahlen noch immer von einer hohen Dunkelziffer ausgehen müssen. Die Opferhilfenummer erleichtert Opfern die Meldung von gewalttätigen Übergriffen und erhöht die Sichtbarkeit der Opferhilfe. Dies ist für die Umsetzung der Istanbul-Konvention von zentraler Bedeutung.»
Erfolgreicher Testbetrieb
Während des ESC in Basel wurde der 24/7-Betrieb der Telefonnummer der Opferhilfe beider Basel als nationales Pilotprojekt getestet. Gleichzeitig konnte die Zusammenarbeit mit der Dargebotenen Hand eingeübt werden. Die Erkenntnisse daraus fliessen ein, wenn die Nummer 142 nächsten Mai landesweit eingeführt wird. Die OHBB hat Musterunterlagen für die Übernahme und die Schulung erstellt, die in allen Kantonen eingesetzt werden dürfen und sollen.
Ein Kernstück ist das qualitative Reporting aller Anrufe, das die OHBB ausgearbeitet hat und das nun schweizweit umgesetzt wird. Dieses hilft, auf die Anliegen und Fragen der betroffenen Personen noch besser reagieren, wichtige Erkenntnisse gewinnen und die richtigen Schlüsse ziehen zu können.
Zurzeit arbeitet die Opferhilfe eng mit der Dargebotenen Hand zusammen und schult die freiwilligen der Dargebotenen Hand für diese zusätzliche Aufgabe. Beide Teams sind motiviert und können auf den positiven, wertschätzenden Erfahrungen während des ESC aufbauen.