Künstliche Intelligenz (KI) hat schon heute grosse Auswirkungen auf den Umgang mit digitalen Medien. Davon sind gerade Kinder und Jugendliche stark betroffen. Angesicht der rasanten Veränderungen überrascht es nicht, dass der Informationsstand von direkt betroffenen Fachstellen und den Gesetzgeber:innen zum Teil sehr unterschiedlich ist.
Deshalb ist es sehr zu begrüssen, dass Landrat Tim Hagmann zusammen mit der Landeskanzlei einen Austausch zwischen Mitgliedern des Parlaments des Kantons Basel-Landschaft und Fachleuten organisierte, die in ihrer täglichen Arbeit Einblick in die aktuellen Herausforderungen von KI haben. Landschreiberin Elisabeth Heer führte durch die kurzweilige Mittagspause.
Herausforderungen durch KI
In kurzen Inputreferaten zeigten die Referentinnen und Referenten verschiedene Herausforderungen auf. Severin Brunold, Lehrer, erläuterte, wie Facebook, Instagramm und andere Plattformen süchtig machen könnten. Jugendliche büssten grundlegende Kompetenzen in Lesen, Schreiben und Mathematik ein, wenn sie Denkaufgaben an KI auslagerten. Angesichts dieser Gefahren hat Severin Brunold ein Peer-to-Peer-Projekt initiiert, bei welchem FMS-Schüler:innen Primarschulkindern einen sinnvollen Umgang mit sozialen Medien und KI zeigen.
Falschinformationen
Fabienne Plattner, Kinder- & Jugendförderung Binningen, und Anna Bernhard, Kinder- & Jugendhilfe Kanton BL, gingen auf weitere Risiken ein. So hielten Kinder und Jugendliche Falschinformationen häufig für zutreffend und verbreiteten diese weiter. Anstelle realer Freundschaften träten solche mit einem KI-Chatbot. Und je einfacher es sei, gefälschte Bilder und Videos (Deepfakes) zu erzeugen, desto grösser sei die Gefahr für Mobbing.
Deepfakes
Lukas Wunderlin, Leiter Abteilung Cybercrime bei der Polizei BL, und Dari Khasham, Leiter Cybercrime, Staatsanwaltschaft BL, zeigten die Herausforderungen im Umgang mit KI und Deepfakes. Generell führe KI zu einer Zunahme der Cyberkriminalität. Bilder liessen sich manipulieren, schädliche Software ohne Programmierkenntnisse einsetzen. Gleichzeitig bestünden auf gesetzlicher Ebene Gesetzeslücken. Hinzu komme, dass Ermittler:innen bei der Aufklärung konkreter Straftaten vor zahlreichen Herausforderungen stünden. Viele Täter:innen gingen anonym vor, viele Provider, über welche die Inhalte verbreitet werden, hätten ihren Sitz im Ausland, was die Herausgabe von relevanten Informationen häufig stark einschränke.
Fehlende Ressourcen
Beat John, Geschäftsleiter der Opferhilfe beider Basel, verwies auf die zusätzlichen Ressourcen, die angesichts der neuen Herausforderungen von der Politik zur Verfügung gestellt werden müssten, gerade in der Schulsozialarbeit. Auf Stufe Primarschule sei diese im Kanton Basel-Landschaft nicht obligatorisch, und es gebe weiterhin Gemeinden ohne Schulsozialarbeit. Zudem brauche es Ressourcen, um Medienkompetenz zu vermitteln und um Schutzkonzepte zu erarbeiten.
Es zeigte sich, dass der Umgang mit KI alle Fachstellen, Behörden, ja die ganze Gesellschaft fordert. Der Einsatz von KI lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Nun geht darum, dass dies verantwortungsbewusst geschieht und dass die Gefahren im Auge behalten werden. Wobei sich viele dieser Risiken nur auf nationaler Ebene in den Griff bekommen lassen.
Mehr Mittel für die Prävention
Bei einem Thema stehen aber die Kantone in der Pflicht, bei der Prävention. Ansatzpunkte gibt es viele: die Stärkung der Medienkompetenz im Schulalltag und der Schulsozialarbeit, die Erarbeitung von digitalen Schutzkonzepten für Schulen, Heime und Institutionen. Und gerade wenn es um Cyberkriminalität geht, sollten Peer-to-Peer-Angebote von präventiver Polizeiarbeit ausgebaut werden. Angesichts der Gefahren für Kinder und Jugendliche braucht es politische Mehrheiten über Parteigrenzen hinweg, damit die erforderlichen Mittel bereitgestellt werden.
Der Austausch zwischen den Fachleuten und der Politik ist sehr wertvoll, das machte die Veranstaltung deutlich. Das grosse Interesse der Landrätinnen und Landrätin ist ein positives Zeichen, die Herausforderungen anzugehen, die bereits heute bestehen und die sich in Zukunft noch verstärken werden. Denn eines zeigte sich beim Landratstalk: Handlungsbedarf, um den digitalen Wandel zu lenken, besteht nicht in ferner Zukunft, sondern jetzt. Warten die Verantwortlichen ab, wachsen die gesellschaftlichen Kosten von digitaler Gewalt weiter.