Am 25. September 2025 fand die vom Verband der Psychologinnen und Psychologen beider Basel und der Opferhilfe beider Basel gemeinsam organisierte Weiterbildung zum Thema häusliche Gewalt statt. Die mit rund 70 Teilnehmenden gut besuchte Veranstaltung festigte die Zusammenarbeit der beiden Institutionen und zeigte einmal mehr auf, dass die thematische Auseinandersetzung, Vertiefung und Vernetzung neue Möglichkeiten in der Arbeit mit gewaltbetroffenen Menschen eröffnen.
Fakten für die Prävention
Im ersten Teil der Veranstaltung zog Strafrechtsprofessorin Nora Markwalder von der Universität St. Gallen die Anwesenden in ihren Bann. Nora Markwalder und ihrem Team gelingt es, die Themen Femizid und häusliche Gewalt messbar zu machen. Eindrücklich sind die Vergleichs- und Entwicklungsreihen zu den Tötungsdelikten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. In der Schweiz sind die Tötungsdelikte ausserhalb der häuslichen Gewalt deutlich zurückgegangen, jene im Rahmen der häuslichen Gewalt jedoch ziemlich stabil geblieben. Dadurch hat sich das Verhältnis stark zu Delikten der häuslichen Gewalt verschoben. Hier drängt sich die Frage auf, wieso die einen Tötungsdelikte zurückgehen, die andern aber nicht.
Die Untersuchungen und Forschungsergebnisse zeigen Muster und Kombinationen von Faktoren auf, die eine faktengestützte Präventionsarbeit ermöglichen. Sie liefern zum Beispiel Antworten auf die Fragen, wie häufig ein Alkohol- oder Substanzenkonsum mit der Tat verbunden war, welches Durchschnittsalter Tatpersonen haben, wie oft es in der Beziehung bereits zuvor zu Gewalt gekommen war oder ob eine Trennung vorlag. Ebenfalls machen die Opferbefragungen aus dem Jahr 2022 deutlich, wie sich häusliche Gewalt in der Schweiz zeigt und wie gross die Betroffenheit ist.
Es war eindrücklich zu erleben, wie Nora Markwalder diese Fakten und Erklärungen mit viel Herzblut präsentierte und dem Themenkomplex häusliche Gewalt ein Profil verlieh. Sie zeigte auch auf, wie gross der Anteil der Tatpersonen und Opfer ist, die psychische Auffälligkeiten mit sich tragen und wie wichtig in diesem Zusammenhang die therapeutische Arbeit ist und immer mehr sein wird. Dank solcher Untersuchungen ist es in der Schweiz möglich, faktenbasiert an den Themen der Gewalt zu arbeiten. Beispiele sind die Begleitung und der Schutz bei Trennung aufgrund von häuslicher Gewalt oder Kontrollen beim Erwerb von Schusswaffen. Und die Ergebnisse helfen auch, undifferenzierte manipulative Behauptungen zu widerlegen.
Schnelle und unkomplizierte Unterstützung
Im zweiten Teil der Veranstaltung beleuchtete die Opferhilfe beider Basel die Zusammenarbeit mit Psychologinnen und Psychologen. Dabei ging es um Fragen der Opfereigenschaften, der opferrechtlichen Leistungen, der Vermittlung von gewaltbetroffenen Personen und selbstverständlich um das Dauerproblem der nicht ausreichenden Therapieplätze. Es waren sich alle einig, dass es zentral ist, Opfern von häuslicher Gewalt schnell und relativ unkompliziert Zugang zu Therapieleistungen zu verschaffen. Dies ist für ihre Stabilisierung entscheidend. In der engagierten Diskussion wurden neue Lösungsansätze skizziert, die nun ausgearbeitet und konkretisiert werden können.
Wertvolle Impulse für die Beratung
Häusliche Gewalt ist leider sehr verbreitet. Das damit verbundene Leid für Betroffene und Mitbetroffene ist riesig. Die dank Forschungen von Prof. Markwalder aussagekräftige Datenlage ist deshalb ermutigend, ebenso das Bewusstsein und Engagement von Menschen, das Thema immer wieder neu anzudenken und mit Beharrlichkeit zu verfolgen. Die tägliche Arbeit in Therapie, Beratung und Betreuung erfordert Kraft, Geduld und sehr viel Verständnis. Solche Weiterbildungsveranstaltungen können dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.