Beratungsstelle für digitale Gewalt

Wie soll jemand auf Hassnachriten reagieren? Welche rechtlichen Schritte sind möglich? Damit Betroffene auf solche Fragen rasch und unkompliziert zu einer Antwort kommen, startet die Opferhilfe beider Basel ein Pilotprojekt. Jeremias Schulthess, Geschäftsführer von Fairmedia, erklärt, was die Ziele der Beratungsstelle für digitale Gewalt sind und welche Leistungen angeboten werden.

Sie sind daran, eine Beratungsstelle für digitale Gewalt aufzubauen. Wie kam es dazu?

Digitale Gewalt ist ein gesellschaftliches Problem, das immer stärker zunimmt. Diese Entwicklung hat sich auch in unseren Beratungen zum Thema Medienethik und Medienrecht gezeigt. Die Idee, dass wir Beratungen zu digitaler Gewalt anbieten könnten, war daher naheliegend.

Was ist Ihr Ziel?

Wir wollen Betroffene möglichst niederschwellig unterstützen und ihnen Orientierung bieten, wie sie sich verhalten können, wenn sie digitale Gewalt erleben.

Weshalb braucht es eine solche Beratungsstelle?

In der Schweiz gibt es zahlreiche Beratungsangebote, darunter auch solche, die sich mit Teilbereichen von digitaler Gewalt befassen. Es gibt jedoch keine Beratungsstelle, die sich dem Thema digitale Gewalt als Ganzes annimmt. Diese Lücke wollen wir schliessen.

Welche Dienstleistungen möchten Sie anbieten?

Wir bieten eine Reihe konkreter Unterstützungsmassnahmen an. Dazu gehört beispielsweise technische Unterstützung beim Melden von Hassnachrichten auf Kommunikationsplattformen. Ausserdem geben wir rechtliche Orientierung, zum Beispiel: Soll ich eine Anzeige machen. Oder welche Möglichkeiten habe ich, rechtlich gegen einen Social-Media-Post vorzugehen? Und nicht zuletzt soll unser Angebot Betroffene emotional stabilisieren.

Welche Personen werden Sie beraten?

Unser Angebot richtet sich an alle erwachsenen Personen in der Deutschschweiz, die von digitaler Gewalt betroffen sind. Besonderes Augenmerk gilt dabei vulnerablen Gruppen wie LGBTIQ+-Personen.

Falls jemand digitale Gewalt in Form von beleidigenden Bildinhalten erlebt, was ist dann Ihre Aufgabe?

In einem solchen Fall klären wir den Sachverhalt mit der betroffenen Person möglichst vollständig und besprechen mit ihr Handlungsoptionen. Dazu kann beispielsweise gehören, Inhalte zu melden oder Strategien zu entwickeln, wie die betroffene Person in ihrem Umfeld mit dem Vorfall umgeht und auf Fragen reagiert. Zudem klären wir den Sachverhalt auch rechtlich: Liegt eine Persönlichkeitsverletzung vor? Handelt es sich um strafrechtlich relevante Inhalte? Auf Grundlage unserer Orientierung kann die Person dann entscheiden, welche nächsten Schritte sie einleiten möchte.

Die Opferhilfe beider Basel startet mit Ihnen ein Pilotprojekt. Was ist dabei Ihre Rolle? Was möchten Sie damit erreichen?

Wir wollen Erfahrungen sammeln, wie die Zusammenarbeit mit Fachstellen wie der Opferhilfe funktioniert. Digitale Gewalt tritt selten isoliert auf. Häufig geht sie mit Gewalt oder Gewaltdrohungen in der analogen Welt einher. Dieser Teil wird bereits sehr gut durch Opferhilfestellen abgedeckt und wir wollen dort, wo es angezeigt ist, mit den bestehenden Fachstellen kooperieren.

Derzeit wird mehr über digitale Gewalt diskutiert als auch schon. Was sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen?

Dass Betroffene von digitaler Gewalt ernst genommen und Delikte konsequent verfolgt werden. Aktuell ist es wichtig, dass mehr über digitale Gewalt gesprochen wird. Ich hoffe, dass dadurch auch der Opferschutz weiter gestärkt wird.

Mehr über unsere Arbeit erfahren?

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NEU: 24/7

In der Nacht und am Wochenende wird die Nummer von der Dargebotenen Hand beider Basel bedient.

Die Dargebotene Hand übernimmt dabei die Basisberatung und leitet bei Bedarf in den Tagdienst der Opferhilfe für die Beratung weiter.

Die Opferhilfe beider Basel ist 24/7 erreichbar
Tel: +41 61 205 09 10

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