Interview mit Beat John, seit August 2022 Geschäftsleiter der Opferhilfe beider Basel

Sie haben mehrere Jahre die Berufsbildung und die Betriebe des Massnahmenzentrums für junge Erwachsene Arxhof geleitet. Warum haben Sie nun quasi die Seite gewechselt?

Es gibt viele Ähnlichkeiten. Bei beiden Institutionen geht es um eine Art der Resozialisierung und darum, wieder ohne Ängste und Zwänge leben zu können. Die Arbeit mit jungen kriminellen Männern hat mir auch die Welt der Opfer näher-gebracht. In dieser Zeit habe ich viele Opfer kennengelernt. Und ich realisierte, wie schwer sie es aufgrund ihrer Erfahrungen haben, an einem glücklichen und erfüllten Leben teilzunehmen.

Worauf freuen Sie sich bei Ihrer neuen Aufgabe?

Es ist beeindruckend zu sehen und zu erleben, wie viele Partnerinstitutionen, Gremien, Fachpersonen, engagierte Menschen und Organisationen sich im und für den Opferschutz einsetzen. Mit ihnen allen zusammen anspruchsvolle Ziele zu erreichen, reizt mich sehr.

Der Opferschutz hat an Bedeutung gewonnen. Dazu beigetragen hat auch die Istanbul Konvention. Es ist eine wichtige Aufgabe für unsere Gesellschaft, wie wir den Opferschutz gewichten und ausgestalten wollen.

Was motiviert Sie bei Ihrer täglichen Arbeit?

Gewaltbetroffene Menschen leiden sehr. Es ist ein stilles Leiden, schambehaftet, verbunden mit sehr viel Angst, Unsicherheit und Ohnmacht. Es motiviert unglaublich, diesen Menschen eine Stimme zu geben, sie zu beraten und ihnen Wege zu mehr Lebensqualität aufzuzeigen. Und dann darf ich mit einem sehr kompetenten und engagierten Team zusammenarbeiten. Meinen Mitarbeitenden kann ich Voraussetzungen schaffen, dass sie diese wertvolle Aufgabe mit viel Kraft und Zuversicht ausüben können. Wenn das nicht Motivation ist!

Wie finden Sie einen Ausgleich zu Ihrer Arbeit?

Ein gutes Essen mit der Familie und Freunden, eine Kunstausstellung in einem Museum oder einer Galerie, ein paar Stunden kreatives Austoben in meiner Werkstatt und viel Lachen…

Konzept, Implementierung:
Damian Trötschler