20. November: Internationaler Gedenktag für Opfer transfeindlicher Gewalt. Vorwärts machen!

«Sie haben mich schon von Weitem beschimpft und beleidigt. Ich versuchte mit gesenktem Blick an der Gruppe vorbeizulaufen. Doch einer aus der Gruppe kam dann unmittelbar auf mich zu und stiess mich von sich weg und ich stürzte. Als ich auf dem Boden lag kam schon der erste Tritt in meine Bauchgegend».

 

Sie wurde angegriffen, weil sie eine Trans-Frau ist. Wie sie sind viele Trans-Menschen in der Schweiz von transphoben Hassverbrechen – gerade auch im öffentlichen Raum – betroffen.

 

Laut der umfangreichen LGBT-Umfrage der EU sind Gewalt und Diskriminierung gegen Trans-Menschen an der Tagesordnung. Sie sind mit hassmotivierter Gewalt und Belästigung konfrontiert, mehr als zwei von fünf Befragten ist innerhalb eines Jahres bereits dreimal oder häufiger von Gewalt betroffen gewesen. Ein Drittel aller befragten Trans-Menschen vermeidet es, ihrer Geschlechtsidentität durch Aussehen und Kleidung Ausdruck zu verleihen, zu gross ist die Angst vor Gewalt und Belästigung. Erschwerend kommt dazu, dass Trans-Menschen auch im Beruf sowie im Bildungs- und Gesundheitswesen strukturelle Diskriminierung erfahren. Sie sind in der Schweiz rund fünfmal höher von Arbeitslosigkeit betroffen, als Cis-Menschen. Es sind äusserst besorgniserregende und unsagbare Zustände, in denen Trans-Menschen ihrem Alltag nachgehen müssen.

 

Obwohl das Schweizer Stimmvolk im Jahr 2020 die Erweiterung der Antirassismus-Strafnorm angenommen hat, wurde der Einbezug von Inter- und Transmenschen parlamentarisch verworfen. Gegen transfeindliche Äusserungen und Handlungen können Betroffene zum jetzigen Zeitpunkt nur zivilrechtlich vorgehen. Es besteht grosser Handlungsbedarf auf politischer Ebene. Die Schweiz muss zwingend die Antirassismus-Strafnorm durch das Kriterium der Geschlechtsidentität ergänzen – und die Gesundheit und Sicherheit von Trans-Menschen prioritär angehen!

 

«Ich traute mich zuerst nicht zur Polizei zu gehen, hatte Angst, dass sie mich nicht als Frau sehen, dass sie mir die Verantwortung geben, dass ich irgendwie selber daran schuld sei».

 

Es sind solche Befürchtungen, welche gewaltbetroffene Trans-Menschen den Zugang zu Hilfsmöglichkeiten erschweren. Die LGBT+ Helpline hat im Jahr 2020 insgesamt 61 Übergriffe registriert, davon 14% von Trans-Menschen. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Dunkelziffer hoch ist und viele Betroffene keine Unterstützung oder Hilfe erhalten, obwohl sie im Rahmen des Opferhilfegesetzes eigentlich einen gesetzlichen Anspruch darauf haben.

 

Die Opferhilfe beider Basel steht gewaltbetroffenen Trans-Menschen zur Seite und unterstützt unbürokratisch, kostenlos und unter der Einhaltung der gesetzlichen Schweigepflicht. Sie kann auch juristische und psychologische Hilfe vermitteln und greift dabei auf ein grosses Netzwerk von LGBTQI*-friendly Fachpersonen zurück. Die Bedürfnisse der betroffenen Person stehen bei uns immer im Mittelpunkt.

Konzept, Implementierung:
Damian Trötschler