Die Anlaufstelle für Gewaltbetroffene.

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 Die Anlaufstelle für Gewaltbetroffene.

Zwangsheirat und Zwangsehe

Definition
Ein allgemeiner Zwang zu Ehe und Familie besteht, wenn eine Familie oder eine Gemeinschaft einer Person nicht erlaubt, frei zu entscheiden, ob sie heiraten und Kinder bekommen will, wenn für sie also keine alternativen Lebensentwürfe möglich sind.

Von einer Zwangsverheiratung spricht man, wenn sich Betroffene zur Heirat gezwungen fühlen. Ihre Weigerung findet entweder kein Gehör oder sie wagen es nicht, sich dem familiären Umfeld zu widersetzen, da mit den unterschiedlichsten Mitteln Druck auf sie ausgeübt wird. Dies kann durch physische, psychische und sexualisierte Gewalt, auch durch strukturelle Gewalt wie sozioökonomische Abhängigkeit geschehen.

Eine Zwangsehe liegt vor, wenn Betroffene nach einer freiwilligen oder erzwungenen Heirat genötigt werden, gegen ihren freien Willen in einer Ehe zu bleiben. In einer Zwangsehe gehen über einen langen Zeitraum eine Reihe von Menschen- und Strafrechtsverletzungen (psychische, physische, sexualisierte, soziale und wirtschaftliche Gewalt) vom Partner/von der Partnerin, von Familienmitgliedern oder vom Umfeld aus.

Bei einer arrangierten Heirat wählen ebenfalls die Eltern, Verwandten oder etwa ein «Brautbewerber» den Ehegatten oder die Ehegattin aus. Allerdings handelt es sich bei einer arrangierten Heirat nicht um eine Menschenrechtsverletzung. Braut und Bräutigam haben nämlich das letzte Wort: Sie können zustimmen oder ablehnen, ohne mit negativen Folgen rechnen zu müssen. Es gibt auch in der Schweiz junge Menschen, die diese Tradition gutheissen. Ihrer Meinung nach wissen Eltern oder Verwandte besser, welcher Partner oder welche Partnerin zu ihnen passt.

Rechtliche Situation
Zwangsverheiratungen und Zwangsehen sind Menschenrechtsverletzungen und in der Schweiz aufgrund des Strafgesetzartikels 181a verboten. Seit dem 1. Juli 2013 gilt das Bundesgesetz über Massnahmen gegen Zwangsheiraten. Wer jemanden zu einer Heirat nötigt, kann mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug bestraft werden. Eheschliessungen unter Zwang werden künftig von Amtes wegen verfolgt, die Opfer müssen somit nicht mehr Anzeige erstatten. Zudem werden Eheschliessungen mit Minderjährigen nicht mehr toleriert, ungeachtet der Bestimmungen im Herkunftsland. Weiter unterstellt das neue Bundesgesetz Zwangsheiraten den unbefristeten Eheungültigkeitsgründen.
Die Rechtslage in der Schweiz:

  • Eine Heirat ist erst ab 18 Jahren möglich.
  • Jeder und jede kann den Partner/die Partnerin frei wählen, niemand kann zur Ehe gezwungen werden.
  • Gleiche Rechte für Mann und Frau in allen Bereichen.
  • Jede Frau und jeder Mann hat das Recht, sich scheiden zu lassen.

Wer ist betroffen?

Zwangsverheiratet werden allem voran junge Erwachsene, doch auch Minderjährige oder ältere Menschen sind betroffen. In Zwangsehen leben Menschen jeglichen Lebensalters.

Obwohl alle Geschlechter betroffen sind, erfahren besonders Frauen und Mädchen aufgrund patriarchaler Familien- und Gesellschaftsstrukturen Gewalt. Im Vergleich zu Männern und Jungen verfügen sie meist über weniger Macht, Bewegungs- und Handlungsmöglichkeiten.

In der Schweiz gibt es Betroffene christlichen, hinduistischen, jüdischen oder muslimischen Glaubens mit und ohne Migrationshintergrund. Die Praktiken, Traditionen und konkreten Formen von Verheiratungen sind entsprechend vielfältig. Aus diesem Grund ist ein auf den Einzelfall bezogenes Vorgehen sehr wichtig.

Auch die Täter, die Gewalt ausüben und Normen und Traditionen mittragen und durchsetzen, sind beiden Geschlechts und verschiedenen Alters.

Hintergründe

Die Hintergründe und Motive bei Zwangsverheiratungen und Zwangsehen sind vielfältig und können in unterschiedlichen Konstellationen vorkommen: Grundlegend bei Zwangsverheiratungen und Zwangsehen sind patriarchale Strukturen und familialistische Vorstellungen. Weitere Motive sind:
• Kontrolle der Sexualität und des Lebenswandels einer Person, dazu gehören auch homo-, trans- oder intersexuelle Personen

  • Reaktion auf das unerwünschte Verhalten einer Person
  • Schutz der Ehre
  • Festhalten an Traditionen
  • Sicherung der Identität
  • Ermöglichung oder Sicherung des Aufenthalts von Angehörigen
  • finanzielle, materielle und soziale Vorteile

Zwar wird Religion oft als Begründung aufgeführt, doch schreibt keine Religion Zwangsverheiratungen vor.

Beratungsangebote

Im Notfall

  • Polizeinotruf 117
  • Frauenhaus Basel Tel. 061 681 66 33

Weitere Beratungsstellen, die mit unterschiedlichen Kulturen vertraut sind

  • Ausländerdienst Baselland ald Tel. 061 827 99 10
  • GGG Migration Basel-Stadt Tel. 061 206 92 22
  • Beratungsstelle für Binationale Paare und Familie Tel. 061 271 33 49

Familienberatungsstellen

  • Kanton BS: Familien-, Paar- und Erziehungsberatung Tel. 061 686 68 68
  • Kanton BL: www.fejb.ch oder Auskunft durch den Ausländerdienst Baselland

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